Geschichte der Blutegeltherapie

"Jeder Ausscheidungsweg ist auch ein Weg, durch den man die Gesundheit herbeiführen kann." (Paracelsus)

Die Blutegeltherapie ist eine der ältesten Behandlungsmethoden zur Ausleitung von Giften, Schlackenstoffen etc. Schon seit Jahrhunderten werden diese Tiere zur Behandlung verschiedenster Krankheiten eingesetzt. Vor allem in Russland ist der Einsatz der Egel weit verbreitet. Bei uns in Europa hat der Blutegel lange Zeit den wissenschaftlichen Therapiemethoden Platz machen müssen. Erst seit einigen Jahren wird er auch hier wieder vermehrt eingesetzt. Vor allem Frankreich treibt die Behandlungsmethode voran, sowie auch deren wissenschaftlichen Nachweis der Wirkungsweise.

Erwähnt man Blutegel, beginnen sich die meisten zu ekeln. Man bekommt meist die gleichen Assoziationen genannt: glitschig, schwarz, blutrünstig, eklig.

Aber leider stimmen diese Vorurteile nicht! Blutegel sind schön gezeichnete, farbige Tiere, elegante Schwimmer – dem Aal ähnlich, weitestgehend ungefährlich und schon gar kein Grund zum Ekeln.

Die Blutegel (lat. echis = kleine Schlange) sind in Europa, Kleinasien, Nordafrika und Russland zu finden und leben in Süßwassergebieten.

Der medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) ist der Bekannteste unter den Egeln. Es gibt u.a. noch den Pferdeegel (Haemopis sanguisoga) und den ungarischen Egel (Hirudo officinalis).

An den jeweiligen Körperenden befinden sich eine Art Saugnäpfe, mit denen sich der Egel auch außerhalb des Wassers fortbewegen kann.

Der medizinische Blutegel kann in ausgestreckter Form übe 10 cm lang werden. Betrachtet man ihn bei gutem Licht, kann man auf dem Rücken eine rötliche Rückenzeichnung erkennen. Ansonsten ist der Egel leicht grün-braun, oft auch olivfarben. Manche haben schwarze Punkte auf dem Bauch.

Zur Fortpflanzung benötigen die Blutegel einen Geschlechtspartner, obwohl sie eigentlich Zwitter sind. Nach der Paarung werden die Eier außerhalb des Wassers abgelegt und in Kokons eingewoben. Anfänglich ernähren sich die kleinen Egel von Einzellern und kleinen, wirbellosen Tieren. Diese werden ausgesaugt oder gefressen. Wachsen sie heran, bedienen sie sich an Wassertieren wie Fischen, Enten, Fröschen etc. Sind sie erwachsen, saugen sie schließlich auch an Säugetieren wie Kühen, Pferden, Wildtieren etc.; aber auch an Menschen. Meist leben sie im Schilfbereich eines Gewässers. Da sie sich meist in Schilfnähe aufhalten, kommen sie nur wenig mit den Menschen in Kontakt. Es sei denn, ein Schwimmer hält sich in diesen Bereichen der Gewässer auf. Dann ist ein Biss eines Egels nicht ausgeschlossen.

Der Egel wird durch Tastorgane an seiner Hautoberfläche auf eventuelle Beute aufmerksam. Sie können aus einigen Metern Entfernung wahrnehmen, wenn sich im Wasser ein größeres Wesen bewegt. Mit Schwimmbewegungen, die einem Aal sehr ähnlich sind, schwimmt der Egel sehr zielsicher auf sein Opfer zu. Hat er es erreicht, saugt er sich mit seinen Saufnäpfen fest und sägt, mit fast 700 kleinsten Calcitzähnchen, verteilt auf drei Kiefern, die Haut an. Dabei sondert er einige Sekrete ab, u.a. auch das Hirudin (medizinisch bekannt als Heparin), aber auch Sekrete, die schmerzlindernd, entzündungshemmend etc. sind. Der Saugvorgang kann 20 bis 60 Minuten, aber auch deutlich länger dauern. Dabei saugt der Egel zwischen 10 und 15 ml Blut. Während dieser Zeit merkt die Beute nichts. Der Biss wird als ein leichtes Brennen oder Stechen wahrgenommen, ähnlich einer Brennnessel, die man streift.

Während der Mahlzeit wächst der Blutegel bis auf das fünffache seines Körpergewichtes an. Er dickt das Blut ein, indem er ihm das Wasser entzieht. Dieses scheidet er während des Saugvorganges über die Haut aus. Ist der Egel satt, lässt er sich einfach fallen.

Nun ist der Blutegel für mindestens ein Jahr satt. Er muss das Blut mit Hilfe spezieller Darmkeime verdauen. Während dieser Zeit nimmt er kein neues Blut auf.

Freilebende Tiere mit Gelenksproblemen steigen oft ganz gezielt in jene Gewässer, in denen die Egel leben, um sich von den kleinen Helfern beißen zu lassen. Diese Tiere wissen instinktiv, dass ihnen ein Blutegel Linderung oder gar Heilung verschaffen kann.

Blutegel werden seit Jahrhunderten zur Blutentziehung verwendet. Dies trägt zur Entgiftung des Gewebes bei. Die im Speichel des Egels enthaltenen Substanzen wirken blutgerinnungshemmend, antithrombotisch, gefäßkrampflösend, schmerzlindernd, antientzündlich und lymphentstauend. Diese Effekte werden insbesondere einem der wichtigsten Inhaltsstoffe, dem Hirudin zugeschrieben. Deshalb werden die Egel vor allem bei Thrombosen und Venenentzündungen angesetzt. Aber auch bei Muskelverhärtungen, bei Bluthochdruck etc. kann das Hirudin eine Linderung hervorrufen. Ein weiterer Wirkstoff, die Eglinose, kann Entzündungen und Schmerzen lindern (z. B. bei Arthrose, Nervenschmerzen, Muskelschmerzen, rheumatische Gelenksschmerzen etc.). Die exakte Wirkung weiterer Inhaltsstoffe des Speichels ist bisher noch nicht bekannt.

Bei folgenden Beschwerden kann der Blutegel zum Einsatz kommen:

  • Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises: dazu gehört: Rheuma, Fibromyalgie, Polyneuropathie
  • Varikose (Krampfadern), Thrombosen, Thrombophlebitis
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Furunkeln und Karbunkeln und andere entzündliche Hauterkrankungen
  • Nebenhöhlenentzündungen
  • Erkrankungen des Urogenitaltraktes
  • Brustdrüsenentzündung
  • Gallenblasenentzündung
  • Hodenentzündung
  • Hypertonie
  • Arthrose (z.B. Knie oder Daumen)
  • Arthritis
  • Ulcus cruris
  • Sehnen-/Sehnenscheidenentzündungen  (Tennis-, Golfarm)
  • Apoplexie, hier auch zur Prophylaxe
  • Angina pectoris
  • Muskelverspannungen, Muskelschmerzen
  • Ischialgie, Hexenschuss
  • Bandscheibenvorfälle
  • Migräne und andere Kopfschmerzen
  • Behandlung von Reflexzonen und Störfelder

Zunächst einmal: der Biss eines Blutegels ist nicht schmerzhaft. Dies ist verständlich, denn Egel haben in der freien Natur kein Interesse daran, unangenehm bemerkt zu werden. Ob zur Schmerzlinderung ein Anästhetikum im Speichel enthalten ist, ist umstritten. Die Bisse werden wie "Brennnesselstiche", "Mückenstiche", "ein leichtes Ziehen" oder "Einstiche von Injektionsnadeln" oder sogar als völlig schmerzfrei beschrieben. Ein im folgenden Verlauf mögliches, leichtes Jucken - ähnlich wie bei einem Mückenstich - geht auf histaminähnliche Substanzen zurück. Der Biss ist auch durch die Biss"technik" wenig schmerzhaft: 3 sternförmig angeordnete Sägeleisten mit jeweils ca. 80 Kalkzähnchen schneiden sich vorsichtig durch die Haut, um zum Ziel der Wünsche - dem Blut - zu gelangen. Zwischen den Kalkzähnchen sind Öffnungen, durch die die SALIVA, der Blutegelspeichel, abgegeben wird.

Vom Menschen kennen wir als Nebenwirkungen leichten Juckreiz und Rötung der Haut an der Bissstelle, Tiere dagegen scheint der Blutegelbiss nicht einmal zu jucken - im wahren Wortsinn. Insgesamt steht uns mit dem Blutegel ein extrem verträgliches Mittel mit nachgewiesener und langanhaltender Wirkung zur Verfügung.

Durch den vermehrten Einsatz medizinischer Blutegel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die natürlichen Blutegelbestände stark dezimiert. Mittlerweile ist die Art in Europa nur noch in wenigen Gebieten in ihrer natürlichen Umgebung zu finden. Lebensräume sind vor allem eutrophe, schlammige Stillgewässer mit reicher Verkrautung aus submersen Makrophyten (Wasserpflanzen). Hirudo medicinalis steht in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und weiteren Ländern Europas unter Naturschutz. Ohne CITES-Bewilligung dürfen Wildegel nicht gesammelt werden.


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